Das neue Ruderjahr beginnt mit 2 deutschen Vizemeistern

8. Februar 2018 | Von | Kategorie: Aktuell, Jugend aktuell, Regatta

Es ist fast unglaublich! Fast mit Ansage fuhren Finja Rothhardt und Simon Kempf am vergangenem Wochenende auf der Deutschen Indoorrowing-Meisterschaft in Essen/Kettwig aufs Podest. Dabei hatte Finja an Weihnachten beschlossen ein wenig das Gewicht zu reduzieren, um bei dem Junioren U16 im Leichtgewicht starten zu können. Dank des konsequenten Trainings war ihr das bereits zur Norddeutschen Meisterschaft in Lübeck gelungen, konnte ihre Leistung aber noch nicht recht stabilisieren. Nun hatte sich ihre Körper an das neue Gewicht im Training gewohnt, so dass sie normal essen und gut erholt in die deutschen Titelkämpfe gehen konnte.  Simon, der ja seit Jahren die Leichtgewichtsgrenze kennt, hatte sich ebenfalls versucht professionell auf den Wettkampf vorzubereiten. Dabei war es lange alles andere als sicher, dass er starten konnte. Nach einem richtig guten Testergebnis im Dezember konnte er fast sicher sein, in Kettwig um Gold zu fahren, wenn da nicht… Ja, wenn da nicht die Infektion mit Pfeifferschen-Drüsenfieber zum Anfang des Jahres dazwischen gekommen wäre. Zwei Wochen vor dem großen Wettkampf wurde er erst wieder gesund, eine Woche vor dem Wettkampf erhielt er von zwei Ärzten die Freigabe zum Wettkampf. Wie viele Sekunden die Infektion gekostet hatte, war schwer zu sagen. Man konnte nur hoffen, dass sein physisches Potential vor der Erkrankung so viel Vorsprung zugelassen hätte, dass es für einen Podestplatz reichen würde. Immerhin traten insgesamt 9 Medaillengewinner unterschiedlicher Bootsklassen der Deutschen Meisterschaft gegen Simon an.

Beide Sportler des EKRC konnten im Vorlauf bereits kurz ihre physische Ausnahmeposition erkennen lassen und fuhren auf den ersten 500m planmäßig ganz vorne mit. Da sich auf der Deutschen Meisterschaft die besten 10 Ruderer des Vorlaufs für das Finale qualifizieren, konnten beide nach der Startphase Kräfte sparen und sich mit einem Platz im Mittelfeld der Qualifikanten begnügen. Jakob Grafe, der im Top-Rennen des Tages an den Start gegangen war, musste im Vorlauf des Männerrennens schon mehr zeigen. Mit persönlicher Bestzeit von 6:19,3min erreichte er sicher das Finale und damit sein persönliches Ziel.

Nach dem Vorlauf hieß es dann möglichst schnell zu regenerieren, denn nur etwa 5 Stunden nach dem Vorlauf mussten die Kieler im Finale nochmals einen Ergotest absolvieren und nun um die Plätze fahren. Finja machte aus Kieler Sicht den Auftakt auf der großen Bühne.  Finja lieferte sich über lange Phasen des Finales ein spannendes Rennen mit Rieke Hülsen aus Otterndorf und Hannah Veuhoff aus Waltrop. Zur Streckenhälfte bei 750m lag sie nur 3m hinter Rieke Hülsen, die die Norddeutschen Meisterschaften mit 4s Vorsprung gegen Finja gewonnen hatte, aber gleich auf mit Hannah Veuhoff. Meter um Meter konnte sich die Otterndorferin dann auf den zweiten 500m von den Verfolgern lösen und auch die Ruderin aus Waltrop konnte Finjas Tempo nicht weiter mitgehen. Mit 5s hinter Rieke Hülsen und 3s vor Hannah Veuhoff fuhr Finja zum zweiten Vizemeistertitel ihrer noch jungen Ruderkarriere.

Simon machte es noch spannender: Zur Streckenhälfte bei 1000m trennten die ersten drei Sportler nur 0,2s und von Platz 1-4 waren es nur 1,6s. Absolut gleich ging das Rennen über fast 700m zwischen Nils-Maximilian von Bülow (Oldenburg), Sönke Mensing (München) und Simon Kempf. Bei 1500m führt Mensing noch mit 0,1s vor Simon, der wiederum 0,3s vor v. Bülow lag. Den Endspurt gewann von Bülow mit 1,7s vor Simon. Mensing hatt auf der Strecke zu viel in den Dreikampf investiert und wurde noch von Mirko Rahn (Berlin) überspurtet. Simon gewinnt Silber und blieb trotz der Vorerkrankung nur 1,5s hinter seiner Bestzeit aus dem Dezember.

Jakob belohnte sein konsequentes Training im Finale gegen den Deutschen U23 Meister Mohamed Taieb (Essen), den Junioren-Vizeweltmeister Lasse Grimmer (Essen) und Olympiateilnehmer Lucas Schäfer (Marburg). Nur 5 Stunden nach der persönlichen Bestzeit im Vorlauf fuhr Jakob kontrolliert aber mutig das Rennen an. Sein Ziel schon erreicht konnte er nichts mehr verlieren und ging als 7. über die Streckenhälfte. Auch in diesem Rennen ging es denkbar knapp zu. Platz 1-4 lieferten sich ein Rennen an der Spitze, aber zwischen Platz 5 und Platz 9 lagen gerade einmal 7m. Auf Platz 4 fuhr Jakob ins letzte Streckenviertel und übertraf alle Erwartungen. Im Endspurt wollte er dann doch zu viel und riskierte eine kleine Veränderung der Rudertechnik. Bis er dies registriert und wieder umgestellt hatte, war Tobias Stöhr (Fitness Matters Indoor Rowing Team) bereits vorbei gespurtet. Im Sekundenabstand erreichten die Platz 5-8 das Ziel und Jakob damit Platz 6. Nur 0,5s langsamer als bei seinem Vorlaufrekord nur wenige Stunden zuvor. Eine unglaubliche Energieleistung, die die vielen Stunden im Kraftraum des EKRC vergessen macht.

 

 

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