Rudern unter dem Eiffelturm

1. Oktober 2017 | Von | Kategorie: Aktuell, Freizeitsport

– Die Traversée de Paris –

Eiffelturm

Während meiner Studienzeit in Paris hat mich die Seine als Fluss immer fasziniert. Viele Jahre später, nachdem ich das Rudern für mich entdeckt hatte, wollte ich diesen Fluss berudern, natürlich durch Paris. Diesen Wunsch haben mir (und sich) Dagmar Hübner, Martin Monshausen (beide Ruder-Club Nassovia Höchst), Lutz Besch und Thomas Schröder (beide Erster Kieler Ruder-Club) am 17.09.2017 erfüllt.

Die Vorgeschichte: Mit Thomas nahm ich 2014 an dem sogenannten Härtetest – einer Tagesfahrt von Schleswig nach Eckernförde an einem Tag – teil, mit Lutz 2016. Bei der letzten Fahrt kam die Idee auf, dass wir wieder etwas gemeinsam planen sollten, ich sprach von Paris und schon fingen die Planungen an. Man muss wissen, dass die Durchfahrt von Paris auf der Seine ganzjährig für Ruderboote gesperrt ist. Lediglich an einem Tag ist sie freigegeben. Dieser Tag ist die „Traversée de Paris“ (Durchfahrt von Paris), die der lokale Ruderverband, die Ligue d’Ile-de-France d’aviron, seit vielen Jahren organisiert. Interessierte finden weitere Information auf der Website (http://aviron-iledefrance.org/). Ausgeschrieben wird die Fahrt etwa fünf Monate vor dem Start. Die Anmeldung ist ausschließlich über die Website möglich. In sehr begrenzter Zahl stehen Mietboote zur Verfügung, die binnen weniger Stunden nach Eröffnung der Ausschreibung vergriffen sind – nach zwei erfolglosen Anläufen weiß ich das. In diesem Jahr habe ich rechtzeitig bei der Ligue d’Ile-de-France d’aviron nachgefragt, den Ausschreibungsbeginn erfahren und – nachdem die Ausschreibung zunächst unvollständig war (die Miet-Boote hatten gefehlt) – schließlich am 18.04. fünf Teilnehmer angemeldet und ein Boot angemietet. Die Teilnahmegebühr kann per Kreditkarte entrichtet werden – möglicherweise eine Anregung für deutsche Veranstaltungen – und man erhält dann eine Buchungsbestätigung mit Barcode, also alles sehr professionell.

Als Unterkunft haben wir uns auch im April ein Hausboot gemietet, das am Startpunkt der Fahrt, vor dem Parc Nautique de l’Ile de Monsieur, dem Sitz zweier Ruder- und mehrerer anderer Wassersportvereine, vor Anker lag. Die „Megalight II“ hat insgesamt vier Schlafräume und zwei Badezimmer – ist also eine wahre Nobelherberge für fünf Ruderer, die wir aus zeitlichen Gründen leider nicht in vollen Zügen genießen konnten. Wir waren uns aber einig: Schon die Übernachtung auf diesem Boot war die Reise wert – auch für die Kieler, die in der Concorde anreisen wollten, dann aber einen schlichten Airbus bekamen; die Frankfurter nahmen unspektakulär den ICE, der sie in drei Stunden und 42 Minuten nach Paris brachte.

Den Samstagnachmittag verbrachten wir mit der Registrierung vor Ort, der Entgegennahme unseres Bootes (und der Ergänzung von zwei fehlenden Fußriemen), der Begrüßung einer französischen Ruderkameradin aus Darmstadt und der (ausgiebigen) Inbesitznahme unseres Hausbootes, den Abend – wie soll es in Paris anders sein – mit kulinarischen Genüssen, und zwar in der Brasserie „Le Café du Commerce“, die 1921 eröffnet wurde und deren Art Deco-Einrichtung bis heute liebevoll gepflegt wird. Die Brasserie liegt im 15. Pariser Arrondissement und bietet einen guten Querschnitt der französischen Küche. Es war für jeden von uns etwas dabei.

Nach einer kurzen Nacht gab es Pain au Chocolat und Kaffee um 5.30 Uhr, blitzartiges Einsetzen der 217 Boote um 6.00 Uhr (wir waren die ersten auf dem Wasser), um 7.00 Uhr startete die Traversée – für französische Verhältnisse alles ungewohnt früh. Wir haben mit unserem angemieteten Boot eine gute Startposition an der Pont de Sèvres ergattern können. Von dort haben wir uns flussaufwärts von dem überwiegenden Teil der Boote deutlich abgesetzt.

Die Fahrt führte uns vorbei an Maison Radio France, der Freiheitsstatur (ja, auch Paris hat eine solche), dem Eiffelturm und Trocadéro, dem Grand Palais, dem Obelisken auf der Place de la Concorde, der Assemblée Nationale, dem Außenministerium, den Tuilerien und dem Louvre, dem Gerichtspalast und Notre Dame bis zum Quai Saint Bernard, dort wendeten wir und ruderten flussabwärts zurück.

 

 

Die insgesamt 28 Kilometer vergingen wie im Fluge. Gegen 10.00 Uhr war die Fahrt (leider) schon beendet. Nach Abriggern und Rückgabe des Mietbootes und Dusche auf dem Hausboot durften wir unser mitgebuchtes Mittagessen einnehmen: Paella, dazu eine Flasche Rotwein (pro Boot), anschließend Joghurt und Tarte aux Pommes, das alles in wirklich guter Qualität für 1000 Personen. Damit endete der offizielle Teil der Veranstaltung und wir waren zum Stadtbummel nach freiem Ermessen entlassen.

(Ganz rechts: Laurent Bonnaud, heute Cercle des Régates de Bruxelles, ehedem EKRC, daneben die strahlenden „Sieger“: Lutz Besch, Dagmar Hübner, Martin Monshausen, Thomas Schröder, Christian Scholz)

(Ganz links: Laurent Bonnaud, heute Cercle des Régates de Bruxelles, ehedem EKRC, daneben die strahlenden „Sieger“: Lutz Besch, Dagmar Hübner, Martin Monshausen, Thomas Schröder, Christian Scholz)

Lutz hatte uns vor dem Essen verlassen, um seine Tochter zu treffen, von Thomas verabschiedeten sich die Frankfurter in der Metrostation Franklin D. Roosevelt. Thomas und Lutz flogen um 18.00 Uhr ab Paris über Amsterdam zurück nach Hamburg. Die Frankfurter bestiegen nach einem ausgiebigen Stadtspaziergang bei bestem Wetter und einem letzten Kaffee um 17.10 Uhr den ICE zurück nach Frankfurt, wo der Ausflug um 21.00 Uhr endete.

Zusammenfassend halten wir fest: Die Fahrt nach und durch Paris war ein durchweg schönes Erlebnis. Sie ist (auch) rudertechnisch zu empfehlen. Die Ligue d’Ile-de-France d’aviron, die die Traversée perfekt organisiert und so den Ansturm der Ruderinnen und Ruderer aus aller Welt gemeistert hat, verdient großes Lob. Wir haben Lust, wieder (und länger) nach Paris zu kommen; das lohnt sich in jedem Falle – auch Ringelnatz wusste das:

Zwar nach einundzwanzig Bummeltagen
Ist noch nichts Erschöpfendes zu sagen
Über dies
Land Paris.
Auch was ich dir morgen angter nus
Glühend loben werde, prüfe du’s.
 

Christian Scholz

1 Kommentar zu “Rudern unter dem Eiffelturm”

  1. Gaby Schulz sagt:

    Tolle Aktion, die zeigt, wie vielschichtig rudern ist! Es muss wirklich nicht immer jedes Jahr der identische Ablauf sein!
    Kultur, gutes Essen und Sport sind eine Mischung, die viele interessieren wird-mich auf alle Fälle!
    Gaby

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