Lesum – Wümme- Kleine Wümme- Hamme – Weser

14. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Freizeitsport

Die etwas andere Wanderfahrt

 

Am verlängerten Wochenende um den 3.Oktober sollte sie stattfinden, meine erste Wanderfahrt im EKRC!

Der (offensichtlich nicht schriftlich niedergelegten) Tradition folgend, wonach Wanderfahrts-Novizen den Bericht über die erlebten Ereignisse einer Fahrt anzufertigen haben, wurde ich als Freiwilliger bestimmt.

Der Vegesacker Ruderverein war an diesem Wochenende das Basislager für die 11-köpfige Delegation des EKRC. Die Boote Flotter Dreier, Hans Tolk und Schulensee sollten unsere treuen Begleiter sein.

Unser Quartier in Vegesack war leider überbucht, so dass man uns dann drei Appartements alternativ zur Verfügung stellte, immerhin fußläufig zum Ruderverein und mit Frühstück in der ursprünglichen Pension.

 

Nach dem etwas zähen Eintreffen aller Beteiligten bedingt durch den Wochenendstau, war leider kein rudern am Freitag in Vegesack mehr möglich, so dass am Samstag bei bestem Spätsommerwetter die Boote aufgeriggert wurden, um anschließend eine Rundtour über die Lesum, Wümme, Kuhgraben und kleine Wümme zu unternehmen, insgesamt 44 km mit drei Schleusen.

Da das Rudern im Bremer Blockland und den anderen Gewässern nahezu ausschließlich durch die Tide bestimmt wird, bedeutete dies am Samstag, dass wir erst gegen 11.20 Uhr starten konnten. Alles andere wäre allenfalls für Leistungsruderer sinnvoll gewesen, denn man konnte auch gut bei der Strömung zusammen mit dem Tidenwasser direkt auf der Stelle vorm Bootshaus rudern. Erst mit dem Wechsel des Tidenstroms machte es dann Sinn.

 

Als Wanderfahrts-Novize habe ich dann von Uwe Johannsen im gesteuerten Zweier lernen dürfen, wie Wanderrudern geht. Mit betont ruhiger, ich würde sagen extrem ruhiger Schlagzahl ging es über eine herrliche norddeutsche Flusslandschaft.

 

Erstaunlicherweise sind in dieser Gegend offensichtlich viele Bäume sehr krank gewesen oder ein Sturm hat eine exakte Schneise von repräsentativen Häusern oberhalb der Wümme bis hin zum Ufer geschlagen. Jedenfalls gab es immer in diesen Bereichen keine Bäume mehr, so dass sogar die Bewohner insofern von diesem Naturereignis profitieren konnten, indem sie jetzt freie Sicht aufs Wasser haben. Aufgeforstet wurde seltsamerweise auch nicht wieder.

Der erste Rudertag verging wie im Fluge. Aber es war schon nachmittags absehbar, dass das Ziel von Uwe Baumgarten, unserem Fahrtenleiter, diese 44 km-Runde komplett zu absolvieren, bei den Tidewasser-Verhältnissen nicht zu schaffen war. Außerdem gab es ja da auch noch das Problem mit der handbetriebenen Schleuse an der MVA in Bremen. Erst die Kneifzangenhände von Uwe Johannsen ließen die Kurbel wieder drehen. Da hatten wir aber bereits zwei Boote umgetragen.Wie auch immer, wir wären nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit in Vegesack eingetroffen.

So waren es dann nur etwa 32 km an diesem Tag, eine Strecke, die ich als Regatta-Ruderer ehrlicherweise so nicht kenne. Trotz relativ wenig Druck am Blatt war ich total kaputt, aber sehr zufrieden.

 

Die Gruppe entschloss sich also, die Boote an der Schleuse Dammsiel zu lagern und mit dem Taxi zum Basislager zurück zu kehren, denn der Hunger war schon sehr groß. Als sehr schön stellte sich dann das direkt an der Schleuse gelegene Gasthaus heraus, wo man extra für uns den Entschluss zu schließen überdachte und uns dann mit allerlei Bremer Leckereien verwöhnte.

 

Labskaus ist ja sicher bei uns vielen bekannt (besser zu essen als anzusehen). Darüber hinaus hat Ulrike als gebürtige Bremerin das ebenfalls traditionelle Gericht „Knipp“ empfohlen, was offensichtlich auch gut angekommen ist.

 

Am nächsten Morgen ging es mit dem Club-Bus dann über den Wümmedeich zur Schleuse zurück um wieder bei herrlichem Sonnenschein die Tour zu Ende zu fahren.

 

Man hatte vorher schon überlegt, welche Tide-bedingten Möglichkeiten sich für diesen Tag noch ergeben könnten. Der Besuch von Harriersand, der längsten Sandstrand-Flussinsel Europas sowie der Kleinstadt Worpswede wurde gestrichen. Ebenfalls Hamme gestrichen, Weser gestrichen.

Letztendlich fiel der Entschluss, den geplanten Ausflug zum U-Boot-Bunker Valentin mit dem Auto zu unternehmen. Eine sehr gute Wahl!

 

Geschichte so hautnah erleben zu dürfen, war schon sehr beeindruckend und bedrückend. Hier sollte im 2.Weltkrieg alle 56 Stunden ein fertig montiertes U-Boot in die Weser entlassen werden. Tausende von Strafgefangenen ließen ihr Leben. Es hat nie ein U-Boot dort das Gebäude verlassen. Dazu kam es glücklicherweise nicht mehr. Aber was war das für ein Wahnsinn!

Der Abend im „Grauen Esel“ in Vegesack war dann sehr feucht fröhlich. Nicht mal die Tischdekoration war vor den Ruderern sicher. Die angebissenen Zierräpfel  der Deko zeugen von der Anwesenheit des EKRC. Das Nichtvorhandensein von Eierlikör (offensichtlich der wichtigste Treibstoff für einzelne Wanderruderer) wurde von der pfiffigen Bedienung durch einen Sprint durch vier andere Kneipen kompensiert, wonach sie dann strahlend aus einer Flasche Klötenköm einem einzelnen Herren unserer Gruppe reichlich einschenken konnte.

Der nächste Tag brachte erneute Ernüchterung. Man konnte nicht mal das andere Ufer der Lesum erkennen, so dicht war der Nebel.

 

Ein paar risikobereite Ruderer aus Uelzen, Hamburg und weiteren Städten, die bereits am Abend zuvor durch gewagtes Rudern in der Dunkelheit negativ auffielen, ließen sich davon nicht abschrecken und verschwanden im Nebel.

 

Da wir verantwortungsbewusste Ruderer sind, haben wir beschlossen, dann doch frühzeitig die Boote abzuriggern und nach Hause zu fahren.

 

Das Wochenende war geprägt von Planänderungen, deshalb eingangs die Anmerkung „die etwas andere Wanderfahrt“. Mir hat es super gefallen, weil ich ja sonst beim Ruder-Training nicht so viel von meiner Umgebung sehe und die Gruppe total nett zusammengesetzt war.

Für unseren Organisator war es natürlich etwas enttäuschend, immer wieder Planänderungen machen zu müssen und die gewünschten Ziele auf ein mögliches anderes Mal zu verschieben. Aber so ist das nun mal, wenn die Tide dem gemeinen Ruderer seine Grenzen aufzeigt.

 

Ich denke, es hat allen sehr viel Spaß gemacht und ich habe die Aussicht, beim nächsten Mal nicht mehr der Wanderfahrts-Novize zu sein.

 

In diesem Sinne, eine schöne Herbstzeit

 

Es grüßt

 

Rolf Zumegen

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