Elbewanderfahrt 2014

13. Oktober 2014 | Von | Kategorie: Freizeitsport

3 Tage Genuss pur von 423 bis 570

… erlebten 14 EKRC-Wanderruderinnen und -Wanderruderer in einem sehr breiten Altersspektrum am langen Wochenende vom 02.10.- 05.10 auf der Elbe zwischen Havelberg und Lauenburg.

Gestartet wurde mit 8 Personen bereits am Donnerstag pünktlich um 14:00 Uhr am Club. Die ca. 280km lange Strecke wurde mit dem Vereinsbus zügig bewältigt, sodass die 3 Boote Flotter Dreier, Hans Tolk und Kiellinie bereits um 18:30 Uhr vollständig aufgeriggert auf dem auf einer (Spül)-Insel gelegenen Gelände der lagen, wo wir für eine Nacht zu Gast sein durften.

Havelberg, eine beschauliche Stadt, deren historisches Zentrum sich auf einer Insel in der Havel befindet, liegt im äußersten Nordosten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt an der Havel kurz vor ihrer Mündung in die Elbe auf einer Höhe von 26m ü. NN. Der Gründung um 1150 folgte der Bau des Havelberger Doms, der 1170 geweiht wurde und hoch über dem Ufer thront. Die Wiedervereinigung mit den PKW-Fahrern sowie Armin, der seine Kawasaki unbedingt dabeihaben wollte, wurde mit einem teilweise recht üppig ausgefallenen Test der örtlichen Gastronomie (Armin hat seinen Grillteller nicht geschafft!) gefeiert. Danach saßen wir noch lange am Lagerfeuer, das in einer in dieser Größe noch nie gesehenen geschmiedeten Feuerschale auf dem Vereinsgelände erfolgreich entflammt wurde, nachdem Bärbel endlich Grillanzünder herbeizauberte. Hier fand dann insbesondere die nächtliche Nähkunst von Paul sowie der mit einer Kräuterspezialität vom Schliersee gefüllte Ersatzkanister von Bärbel große Beachtung.

Am nächsten Morgen ging es nach einem für uns schon früh bereitetem Frühstück endlich aufs Wasser, der Nebel löste sich schnell auf, nach 100m Havel ging es durch einen kurzen Kanal mit Schleusung bei Kilometer 423 in die Elbe, die uns alle vom ersten Moment an in den Bann zog: Meist spiegelglatt und träge dahinfließend ging es vorbei an wunderschönen dünnbesiedelten Landschaften.

Schiffskontakte: Hatte ich vorher gedacht, die Binnenschifffahrt würde auf der Elbe boomen und uns möglicherweise Probleme bereiten, nein, nach 3 Tagen hatten wir eine Bilanz von 9 Schiffen, also 3 im Durchschnitt.

Und immer wieder Vögel! In Schwärmen aufgeschreckt auf fast jeder Buhne und in der Ferne und über unseren Köpfen hinweg, es wurde nie langweilig, obwohl es doch überall immer ähnlich aussah. Die durchschnittlich 50 Kilometer pro Tag wurden unterbrochen durch eine längere Pause zur Halbzeit, hier war der Landdienst gefordert, Michael hatte aber im Vorwege bereits den Location-Scout gemacht und tolle Plätze ausgesucht. So erwartete uns Armin am ersten Tag in Brandenburg genau an der Stelle, wo im März 1813 eine preußisch-russische Waffenbrüderschaft mit einer Schiffsbrücke über die Elbe die Befreiung der Altmark von Napoleon ermöglichte.

Von hier aus ging es weiter nach Schnackenburg, 15m ü. NN, dem bis zur Wiedervereinigung letzten Außenposten Niedersachsens vor der DDR. Davon zeugt noch ein für eine 600 Einwohner zählende Gemeinde relativ großer Hafen, hier war die Kontrollstelle für den Transit- und Wechselverkehr der Binnenschifffahrt auf der Elbe. Die Elbtalaue rund um Schnackenburg ist ein Naturschutz- und Erholungsgebiet mit seltenen Pflanzen und Vögeln, ein 14m hoher Holzturm ermöglichte hier einen guten Überblick – für die, die Freizeit hatten und nicht mit Versetzen der Fahrzeuge beschäftigt waren! Leider bestand nämlich noch ein Lichtproblem am Bus, das aber schließlich durch einen fachkundigen Ruderkameraden des Eckernförder RCs, welcher ebenfalls eine Wanderfahrt auf der Elbe unternahm, gelöst werden konnte. Irrungen durch kleine Straßen und Navifehlleitungen am ersten Abend führten dazu, dass wir als Gruppe nicht gemeinsam Essen konnten, insbesondere Armin hatte aufgrund der Begrenztheit seines Motorradtanks (geringe Tankstellendichte), kalten Händen (Fahren nach Sonnenuntergang) und schließlich durch „Unterhopfung“ sehr zu leiden. Obwohl räumlich sehr überschaubar bietet Schnackenburg eine gute Übernachtungsinfrastruktur, da die Elbe nicht nur für Ruderer sondern auch für Radfahrer (Elberadweg) sehr attraktiv ist.

Nach nassem Einsetzen der Boote ging es am 2. Tag zunächst bis zum Pausenort Dömitz, 15m ü. NN, der südlichsten Gemeinde in Mecklenburg-Vorpommern, wo uns Bärbel am Fuße der imposanten Festung Dömitz, einer fünfeckigen Flachlandfestung aus dem 16. Jahrhundert mit frischen Brötchen erwartete, nachdem wir zuvor die markante, 1873 von der Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft errichtete und am 20. April 1945 zerstörte Eisenbahn-brücke passierten. Nach dem Krieg erfolgte kein Wiederaufbau, da die Elbe hier Teil der innerdeutschen Grenze war, auf bundesdeutscher Seite galt sie daher als Baudenkmal und Symbol der Teilung, auf DDR-Seite wurde sie abgebaut und war Teil der Reparation an die Sowjets.

Gegen 16:00 Uhr erreichten wir dann den im Rahmen des Hochwasserschutzes neu gestalteten Sportboothafen von Hitzacker. Der bot zwar vielfältige Anlandemöglichkeiten, trotzdem waren spannende Manöver von Stegen und auf der Rampe nötig, um alle Boote aus dem Wasser zu bekommen. Hitzacker liegt an der Einmündung der Jeetzel in die Elbe. Während die so genannten Elbhöhen, an deren südöstlichem Fuß sich Hitzacker befindet, bereits zur Lüneburger Heide gezählt werden, zählen die Niederungsgebiete der Altstadt zur Elbtalaue. Die Höhenlage reicht von 11m ü. NN an der Jeetzelmündung bis zu 83 m ü. NN auf dem „Weinberg“, wo seit mehreren Jahrhunderten Wein angebaut wird! Unsere Jugendherberge war in dieser Höhenlage, recht schön am Waldrand des Naturschutzgebieters Elbufer-Drawehn gelegen. Nachdem die historische Altstadt wieder nur von denen bestaunt werden konnten, die nicht mit dem Versetzen der Fahrzeuge beschäftigt waren, was wiederum mehr als 3 Stunden dauerte, ergab sich immerhin nach dem Besuch eines Pizza/Pasta-Hauses (diesmal wurde Armin leider gar nicht satt) noch eine Zimmerfete in Raum 36, wo noch einige Weinflaschen geleert werden konnten. Die Betten der Spätheimkehrer waren dank der Fürsorge der Dagebliebenen schon bezogen, dafür vielen Dank.

Am letzten Tag ging es weiter elbabwärts vorbei am Kniepenberg, er misst 86 m ü. NN und ein hoher Aussichtsturm bietet hier wieder einen Panoramablick über die Elbtalniederung. Insgesamt war die Landschaft im Vergleich zu den Vortagen durch die ausgeprägten Höhenzüge deutlich vielfältiger. Beim Rudern ging dann zeitweise schon etwas träger als an den Vortagen zu, für Lacher sorgte aber nicht nur die Frage des auf seine Füße starrenden Steuermannes Paul „Hat jemand zufällig eine Nagelschere dabei?“, sondern erst recht die Antwort der stets gut organisierten Cristina „Ja, ich habe eine!“. Hanno, Landdienst des Morgens, erwartete uns an einem idyllisch gelegenen Sandstrand. Von hier ging es schließlich weiter bis Lauenburg, unserem Ziel im 5. Bundesland des Wochenendes, Schleswig-Holstein. Die Stadt erwartete uns bei Kilometer 570 mit ihrem malerischen Altstadtpanorama, das zu genießen allerdings wenig Zeit ließ, denn die Strömung der Elbe und die vielen Freizeitkapitäne verlangten hohe Konzentration. Das anschließende Abriggern und Aufladen der Boote war ausgesprochen routiniert, auch die steile Bergpassage mit Bootshänger vom Gelände der RG Lauenburg hat Michael dann noch brillant gemeistert. Kurzum, lieber Michael für Deinen Einsatz für Planung und Durchführung einer 100%ig gelungenen Ruderwanderfahrt danken Dir
Armin, Bärbel, Christina, Cristina, Dagmar, Dieter, Hanno, Heinz, Helga, Paul, Stephanie, Ulrike und ich (Uwe).
Was haben wir vergessen? Das Gruppenfoto.
Was haben wir gelernt? Anlanden immer gegen die Strömung.
Worauf freuen wir uns? Auf die nächste Flusskreuzfahrt?

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