Varese 2026

28. April 2026 | Von | Kategorie: Aktuell, Regatta

Vor ein paar Jahren hatte sich eine kleine Gruppe von Ruderern unseres Clubs nach Italien aufgemacht, um dort unter optimalen Bedingungen die spezifischen Ruderkenntnisse zu vertiefen.

Da von diesem Event allenthalben nur Positives berichtet wurde, wurde der Ruf nach Wiederholung immer lauter. Gesagt, getan: Für 2026 wurde wieder ein Trainingslager eben dort organisiert.

Nicht nur, dass die Unterkunft im B&B hervorragend war, immerhin hatten wir mit unseren 27 Teilnehmern das ganze Haus für uns mit sehr persönlicher Betreuung durch unsere Wirtin Francesca, auch waren die äußeren Bedingungen am Canottieri Gavirate mehr als nur hervorragend.

Außerdem empfing uns Italien mit erstklassigem, warmen Wetter.

Die Unterkunft war für unsere Zwecke einfach super. Verschiedene Zimmer und Appartements ergaben dann unterschiedliche Wohngemeinschaften, aber alles sehr harmonisch. Man konnte sich richtig wohlfühlen dort. Es gab einen Jogaraum und einen Pool mit Liegewiese, sowie ausreichend Parkplätze für die zahlreichen Fahrzeuge. Wir konnten sogar unseren Camper in der Garage abstellen.

Ein großes Dankeschön an die leidensfähige Transportcrew, die den vollen Hänger (ein Achter, vier Vierer, zwei Zweier und drei Einer) in selbstlosem Einsatz quer durch die Republik, Österreich und die eidgenössische Schweiz nach Italien verbracht haben, sozusagen eine Vier-Ländertour.

Vor Ort im Canottieri Gavirate trafen wir dann auf Teile des Deutschlandachters, auf schweizerische, französiche und andere deutsche Trainingsgruppen. Der Lago die Varese ist scheinbar bei vielen Ruderern beliebt. Außerdem ist der Canottieri Gavirate Europastützpunkt für den australischen Ruderverband, der dort einige Boote liegen hat.

Der Canottieri Gavirate hat erstaunliche 2.000 Mitgliedern bei etwa 9.000 Einwohnern im Ort Gavirate. Zudem gibt es in Varese selbst noch einen weiteren Ruderclub.

Es gibt im Canottieri keine Gig-Boote. Die Anfänger beginnen im erstklassigen Ruderbecken und gehen dann mit den schmalen Booten auf den See.

Insgesamt sind wir zusammen mit Alfreds Gästen aus Leipzig und Markus Ruderkamerad Daniel aus Schwerin 28 Ruderer mit unterschiedlichen Ambitionen gewesen.

Professionell unterstützt wurden die Einheiten von Mark Leon und ab Sonntag zusätzlich auch noch von Elisa. Mark Leon hat für jeden Tag einen Bootsbelegungsplan erstellt, nachdem dann in unterschiedlichen Besatzungen die morgentliche und nachmittägliche Einheit abgespult wurde.

Gestartet wurde in der Regel nach dem Frühstück mit der morgentlichen Mobilisierung, die Elisa gewohnt charmant und professionell angeleitet hat.

Danach ging es Richtung Gavirate, Techniktraining, Boote waschen und zum Duschen zurück. Nachmittags das Gleiche, meist in anderern Formationen.

Thema Boot waschen: der Lagi di Varese ist landschaftlich reizvoll gelegen, umgeben von hohen, zum Teil schneebedeckten Bergen, aber ist alles Andere als sauber. Algen und sonstiger Schmutz verleiten weder zu einem Bad im See, noch zum Kentern im Kleinboot. Also hieß es erstmal ordentlich den hartnäckigen Dreck abwaschen nach dem Rudern. Das war schon eine andere Qualität als der Estany de Banyoles letztes Jahr in Spanien. Dort durfte kein Boot aufs Wasser, welches nicht vorab desinfiziert wurde. Dementsprechend sauber ist der See in Spanien.

Am Montag in dieser Woche beschied uns der Wettergott kräftigen Regen, was die Lust zum Rudern erstmal etwas einknicken ließ. Allerdings hatte Mark ein interessantes Alternativprogramm für uns entwickelt. Ein Teil von uns ging zunächst auf die Ergos, parallel zum Spiegel und hat dann unter Anleitung von Mark die spezifischen Fehler in der Schlagstruktur und Körperhaltung auszumerzen versucht.

So mussten Einige sicher erstaunt nach vielen Ruderjahren erkennen, dass es einen Unterschied zwischen „Vorlage“ und „Auslage“ gibt, dass frühes Aufdrehen beim Bigblade für exaktes Setzen absolut wichtig ist und gleichzeitiges Anrollen den Bootslauf tatsächlich nicht behindert.

Das Gleiche im Wechsel mit den Übrigen haben wir dann im Ruderbecken gemacht. Überhaupt, dieses Ruderbecken ist allererste Sahne. Riemen Stb und Bb, sowie Skullen ist möglich. Dazu überall Spiegel.

Einige Unentwegte sind dennoch aufs Wasser gegangen, kamen tropfnass wieder und wir hatten das Vergnügen, am nächsten Tag in die nassen Ruderschuhe steigen zu dürfen.

Die übrigen Trainingstage, alle miit bestem Wetter, gingen mit sehr viel Techniktraining und anschließender Video-Analyse wie im Fluge vorbei. Unterstützt wurde Mark Leon auch hier von Elisa, die nicht nur in den Achtern am Steuer saß und hier professionell coachte, sondern auch mit ihrem Fachwissen in der Rudertechnik überzeugte.

Am Mittwochabend sind wir zum „Bergfest“ in einer alten Militäranlage zum Essen gewesen. Hierzu hatten uns die Leipziger Gäste als Alfreds Ruderkameraden zu Getränken eingeladen. Es war ein schöner, gemeinsamer Abend. Die übrigen Abende verbrachten die meisten von uns in ihren Wohngruppen in der Unterkunft oder in anderen Lokalitäten. Es wurde gemeinsam gekocht oder Essen gegangen.

Leider ist ein Teil der Gruppe bereits am Samstagmorgen wieder Richtung Heimat aufgebrochen, sodass wir den letzten Abend gemeinsam in einem Lokal in kleinerer Gruppenstärke verbracht haben. Das hat der Stimmung aber keinen Abbruch getan.

Was für jeden einzelnen das Trainingslager gebracht hat, wird sich im Verlauf der Zeit noch zeigen. Möglich ist, dass man recht schnell in die alten Bewegungsmuster zurück verfällt, wenn niemand mehr ein Auge darauf hat. Wenn jeder an sich selbst arbeitet, die erlernten Dinge reflektiert und beachtet, sollte das aber ein großer Erfolg für jeden bedeutet haben.

Für den Achter meiner (Silberrücken-) Gruppe kann ich aber sagen, das hat wirklich was bewirkt. Shimpy, unser Steuermann hat uns am Wochenende nach Varese jedenfalls bescheinigt, es hätte uns weiter nach vorn gebracht. Ähnliches hörten wir aus dem anderen Männerachter um Martin Lincke herum.

Ein ganz großes Dankeschön an Mark Leon, der sich selbstwewusst und durchsetzungsfähig richtig in die Mastersköpfe eingedacht hat und mit großem Fachwissen an unserer Rudertechnik gearbeitet hat. Ebenso an Elisa, die mit ihrer immerwährenden guten Laune unterstützt hat. Das hat uns Allen sehr viel Spaß gemacht.

Das Fazit kann also nur positiv ausfallen. Rudern bei malerischer Kulisse, spiegelglattem Wasser mit einer tollen Truppe hat doch was richtig Feines. Man darf das also gerne wiederholen.

In diesem Sinne, arbeiten wir dran.

Bericht: Rolf Zumegen

Nun folgt der Bericht von Matthias Böhm:

Kennt Ihr das auch? Trotz regelmäßigen Mannschaftstrainings bekommt man das Rennboot nicht gestellt, dauernd fällt es nach Backbord oder Steuerbord. Man probiert hier und dort, schraubt an der Rücklage, Körperhaltung, Vorwärtsbewegung, Einsetzmomenten…aber ein richtiger „Flow“ scheint in weiter Ferne zu sein. Da kam doch die Ankündigung eines einwöchigen Trainingslagers im April auf dem Lago di Varese, dem zweiten nach 2022, genau zum richtigen Zeitpunkt. Fotos von den phantastischen Trainingsbedingungen damals beseitigten schnell jeden Zweifel und steigerten die Vorfreude. Aus unserer Trainingsgruppe konnten fünf dabei sein, als Teil einer bunt gemischten Truppe mit erfahrenen Rennruderern, „ambitionierten Breitensportlern“, die wie wir an Regatten teilnehmen, aber sich technisch weiterentwickeln möchten, mit Ruderfreunden aus Kiel, Lübeck und Leipzig. Vor Ort gab es für alle, die bereits 2022 dabei gewesen waren, ein herzliches Wiedersehen mit Francesca, Herz und Seele des „B&B Quercia“ in Besozzo, etwa 20 Fahrminuten vom Ruderleistungszentrum Gavirate am Lago die Varese, ein Verein mit 2000 Mitgliedern, der zugleich Olympiastützpunkt und Trainigsort für Leistungssportler aus ganz Europa ist. Dankenswerterweise hatten sich Arne, Bernd, Höppi u Tom bereit erklärt, den Anhänger mit 9 Rennbooten die 1200km lange Strecke über die Alpen ans Ziel zu bringen. Am Sonntag, dem ersten Trainingstag, wurde uns das wie immer leckere Frühstück um 7.30h serviert, danach ging es gegen 9.30h zur ersten Trainigseinheit auf den spiegelglatten See mit Blick auf die schneebedeckten Seealpen, die ein wunderschönes Panaroma abgaben. Mark-Leon, und ab Montag auch Elisa, bildeten ein großartiges Trainergespann, das mit viel Geduld, immer guter Laune und scharfem analytischen Blick genau die „Knackpunkte“ benannte, deren Korrektur meist umgehend eine wundersame Verbesserung herbeiführte. Dann ging es das erste Mal mit der Jürgen Leptien aufs Wasser. Unsere „Wehwehchen“ hatten uns auch über die Alpen verfolgt, angesichts der Instabilität war an einen flüssigen Ruderrhythmus nicht zu denken. Mark-Leon hätte die Fehler wahrscheinlich schon vom Seeufer aus erkannt, kam aber im Motorboot herangerauscht und los ging es mit dem Training der stabilisierenden Endlage, der langsamen, kontrollierten Vorwärtsbewegung („Beine solange gestreckt lassen, das es euch schon komisch vorkommt“ O-Ton Elisa), Justierung des Innenhebels, dem frühen Aufdrehen der Blätter („alles andere macht nur Unruhe“…Mark), Auslage (!), kontrolliertem Umkehrmoment und der Zugbewegung („wie auf einer Linie“) bis zur Endlage. Dann, oh Wunder, spürten wir, dass wir wohl doch keine ganz hoffnungslosen Fälle waren, denn zwischendurch bekamen wird schon ganz ordentliche Passagen hin. Nach zwei Stunden Vormittagstraining war es auch genug und es ging zurück. In der Mittagspause wurde uns der Supermarktbesuch mit Planung des Abendessen zur liebgewordenen Routine, und nachdem das Regentief am Montag überwunden war, genossen wir die Sonnenpausen auf der heimischen Terrasse. Gegen 16h folgte das Nachmittagstraining, für uns ging es im 8-er raus. Auch hier mussten die Abläufe optimiert werden. Ein Höhepunkt war für uns der Belastungstest am Mittwoch Vormittag auf der Regattastrecke mit der Tampere, was unter tätiger Mithilfe von Arne, Höppi und Tom zur phantastischen Rudererfahrung für uns wurde….endlich waren wir mal im „Flow“, es lief wie von alleine, sauberer 28-er Schlag, über uns die Sonne, um uns herum die Berge, wir auf dem spiegelglattem See…so ähnlich muss sich der Ruderhimmel anfühlen!
Am Freitag wiederholte sich dieses Gefühl bei einem erneuten Belastungstest im Riemen 4-er….somit hatten sich alle Erwartungen an dieses Traingslager erfüllt. Klar, es bleibt auch nach insgesamt 130 Ruderkilometern in diesen 6 Traingstagen noch viel zu tun, aber wir kennen nun einige unserer Stellschrauben.
Dieser Bericht bliebe unvollständig ohne Erwähnung von Elisas großartigen morgendlichen Gymnastikeinheiten, Marks lehrreichen Videobesprechungen, einem tollen Ausflug an den nahen Lago Maggiore, dem netten Abend mit Alfreds Leipziger Jungs in einem urtümlichen Restaurant, der tollen Gemeinschaft und unserer großartigen „Jungs-WG“. Es hat soviel Spaß gemacht!
Ein herzlicher Dank gilt Bernd für die wunderbare Organisation dieser Reise. Wir träumen schon von einer Wiederholung….
Matthias Böhm

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