Vereinsleben – Land vs. Stadt

8. Juni 2022 | Von | Kategorie: Aktuell

Diejenigen im EKRC, die mich (Daniela Schmitt) kennen wissen, ich komme irgendwo aus der unterfränkischen Weingegend. Genau gesagt aus einem kleinen Ort namens Großlangheim. Wir haben derzeit ca. 1.600 Einwohner*innen und 23 Vereine¹. Neben den ursprünglichen Tätigkeiten die diese Vereine halt so machen (Kleintiere züchten, Retten – Löschen – Bergen – Schützen, Bowling spielen, …)

heißt das insbesondere im Sommer, jedes Wochenende ein Vereinsfest oder eine andere organisierte Aktivität: diverse Sommerfeste, Weinfest (Weinfestgemeinschaft) und Hardthüttenfest (Weinbauverein), Waldfest (Feuerwehr), Reiterturnier (Reiterverein), Fußballturnier (Fußballer), Beachvolleyballturnier und Handball-Ligaspiele (TVG), Schützenfest, Fastengruppe (Landfrauen), Maibaumaufstellen (Jugendtreff), Wallfahrt nach Gößweinstein (Wallfahrerverein), Weihnachtsmarkt, Krackenmarkt, … Wir feiern halt gern, mit und ohne Grund, manchmal einfach nur uns selbst. Wer die Gemeinschaft schätzt ist jederzeit herzlich willkommen dabei mitzumachen, zum Helfen und zum Feiern, egal ob alt eingesessen oder frisch zugezogen. Ihr seht, ich bin nicht umsonst die Vergnügungswartin hier im EKRC. 

All das geschieht ehrenamtlich, keiner bekommt auch nur einen Cent, maximal die Bratwurst ist für Helfende umsonst, der Kuchen selbst gebacken (bis auf den Ulmer, wegen der Absatzmenge) und wer am Weinfest Wein austrägt und am Tisch verkauft, kann das Trinkgeld behalten. Anders würde das auch nicht funktionieren. Manche Feste finanzieren die Vereine zusätzlich mit und Spaß macht es auch noch. Über das „Wir-Gefühl“ muss ich glaube ich nicht sprechen. Die Jugend wächst damit auf und kennt das gar nicht anders, denn jeder und jede packt an, wie er oder sie kann, egal ob 5 oder 95. Am Schluss haben schließlich alle was davon. 

Vereine in einer Stadt wie Kiel haben es da schwerer. Zum einen gibt es sehr viele davon, in allen möglichen Disziplinen und oft konkurrierend, leider nicht nur sportlich. Zum anderen gibt es auch sehr viele, oft artverwandte Dienstleistungsangebote, man zahlt, geht hin, macht sein Ding und geht wieder und alles andere „außen rum“ organisieren die Personen, die man dafür bezahlt. 

Warum erzähle ich Euch das? Weil ich in der letzten Zeit einige Gespräche geführt habe, und feststellen musste, das vielen Mitgliedern nicht wirklich bewusst ist, dass auch im EKRC alles durch Ehrenamt geschieht. Die Ausbilder, das Trainingsteam, der Vorstand und die Beisitzenden, die überwiegend 10 gleichen Personen, die jeden Montag und Mittwoch steuern, statt selbst zu rudern, wir verwenden dafür unsere Freizeit, unentgeltlich. Die Übungsleiter im Winter bekommen eine Aufwandsentschädigung, die aber auch nicht viel mehr ist. Zwei Personen werden für ihre Arbeit bezahlt, das ist die Raumpflegerin für die Umkleiden und unser Mann, der die Boote repariert. Um das gleich zu sagen, unser clubeigener Bootsbauer rechnet vielleicht die Hälfte seiner Zeit ab, einfach weil er Spaß daran hat Boote zu reparieren. Das war es.

Der EKRC lebt davon, dass man zusammen anpackt und damit meine ich nicht nur im Boot. Die Gemeinschaftsarbeit anfangs und am Ende der Rudersaison, wie z. B. Dachrinnen entlauben und Ergo‘s in Stand halten, Boote räumen, Wasserkasten auf- und abbauen. In den Saisons mal den Besen im Kraftraum in die Hand nehmen und durchkehren, weil die Wollmäuse schon fliegen und die Krümel von den (eigentlich untersagten) Straßen- oder Laufschuhen oder den Matten in den Ecken liegen. Das Dreier-Team, dass sich um die Homepage und die Clubmitteilungen kümmert, freut sich über Beiträge zur Veröffentlichung oder grundsätzliche Unterstützung. Dem Bootsbauer in der Werkstatt zu Hand gehen, Kuchen backen für das Sommerfest und „Rudern gegen Krebs“ und das Gebackene dann vielleicht auch verkaufen, Auf- und Abbauen vor und nach den Festen, Hallen und Bootsplatz kehren oder an der Mitgliederversammlung einmal im Jahr teilnehmen. Erich Kästner halt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Versteht mich nicht falsch, wir haben so einige Mitglieder, die mit anpacken. Aber im Ernstfall sind es immer die gleichen 30 – 40 Personen von 450. So ist das eigentlich nicht gedacht! 

Ok, durch die Pandemie ist das vielleicht etwas in Vergessenheit geraten, aber ein Verein wie der EKRC ist eine Solidargemeinschaft. Das fängt gerade beim Rudern an. Die Jungen nehmen die Alten mit, in der Hoffnung, dass wenn man mal selbst in das Alter kommt, da auch welche sind, die einem ins Boot helfen und mitnehmen, obwohl man vielleicht nicht mehr immer technisch die helle Freude ist und nicht ganz so dolle zieht. Oder die Erfahrenen integrieren die Anfänger, auch wenn das Boot dann vielleicht noch wackelt, aber war bei einem selbst wahrscheinlich auch so. Konstruktive Kritik hilft da weiter. Man passt auf das Bootsmaterial auf, damit das ganze Geld für den Bootspark nicht in die Reparaturen fließt (die oft genug doch in der Bootswerft gemacht werden müssen), sondern in neues Bootsmaterial. Wenn man den Vereinsbus ausleiht, dann stellt man ihn vollgetankt und zumindest besenrein wieder zurück an den Club, damit der nächste ihn problemlos übernehmen kann, etc.

Der Club versucht die Solidargemeinschaft auch nach außen zu tragen, z. B. durch „Rudern gegen Krebs“. Wusstet ihr, dass durch dieses Event eine Betreuungsstelle im städtischen Krankenhaus bezahlt wird? Dies ist möglich durch die dabei erwirtschafteten Spenden. Dafür Helfende auf und abseits vom Wasser zu finden ist aber wirklich ziemlich zäh, fast schon eine Bettelei. 

So müsste der/die Ruder- und Trainingswart*in, die wir schon seit Jahren suchen auch nicht alle Aufgaben allein bewältigen. Die Dinge geschehen grundsätzlich schon, z. B. die Wanderfahrten. Aber es bräuchte dringend eine oder zwei Personen, die es insgesamt koordiniert und die einzelnen Fäden in der Hand hält und somit den Vorstand in diesem Punkt entlastet. Die Beschreibung der Aufgaben findet ihr im Anschluss. 

Der EKRC ist kein Dienstleister, sondern ein Verein, der durch Ehrenamt lebt. Wir können auf Dauer nur Sport, Spaß und Erlebnis bieten, wenn der Zusammenhalt in unserer Gemeinschaft funktioniert und das Engagement jedes einzelnen Mitglieds dazu beiträgt und das ist nun einmal nicht nur Geld. 

Viele Hände machen es für alle einfacher.

Apropos feiern: Die DJs für das Sommerfest mit Tanz (praktisch wie prä-pandemisch) am 27.08.2022 habe ich schon. Alles andere demnächst am schwarzen Brett und auf der Homepage.

Und wer im Übrigen der Meinung ist eine*n Ruderwart*in ist schwer zu finden: mein Schwager sucht gerade jemanden der ihm nach 40 Jahren im ältesten Ehrenamt der Welt nachfolgt: als Großlangheimer Totengräber. Wer wohl schneller Erfolg hat?

Der EKRC sucht eine*n Ruder- und Trainingswart*in:

Der Aufgabenbereich für den/die Ruder- und Trainingswart*in umfasst den gesamten Bereich des Breitensports. 

Sie/Er ist verantwortlich für:

  • die Ausbildung im Bereich des Erwachsenensports
  • die Koordinierung der Übungsleiter*innen
  • die Verteilung der Boote bei den Ausbildungs-, bzw. Ruderterminen
  • die Planung und Durchführung von Tages- & Wanderfahrten
  • die Durchführung der Freiruderprüfung
  • das Training im Winter (z.B. Team-Rowing, Hallensport, Rudern im Ruderbecken)
  • das Erstellen des Sommer- und Wintersportplans (zusammen mit der Vorsitzenden Sport)
  • unterstützt den Jugendvorsitzenden bei seiner Tätigkeit (z.B. Planung von Unternehmungen, Rudertouren, etc. der Jugendlichen)


Insgesamt ist es also ein Job für jemanden, der/die gerne mit Menschen zu tun hat und diese
motivieren kann. Es ist auch wichtig, delegieren zu können, um dem vielfältigen Aufgabenbereich gerecht zu werden.

Bei Fragen und Interesse an der Ausübung dieses Ehrenamtes im EKRC meldet Euch bitte gerne bei einem der Vorstandsmitglieder.

¹Quelle: https://www.grosslangheim.de/lebeningrosslangheim/vereine/index.html

Text von Daniela Schmitt

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