Skifftag 2026

7. September 2026 | Von | Kategorie: Aktuell, Freizeitsport

Vom Salzwasser ins Süßwasser – eine Runde Sache

Für Kieler Ruderer ist Wasser normalerweise eine eher bewegliche Angelegenheit. Die Ostsee liegt selten einfach nur da. Irgendwo kommt eigentlich immer ein bisschen Wind her, irgendwo läuft eine Welle quer und spätestens dann, wenn man gerade meint, besonders sauber im Boot zu sitzen, erinnert einen eine Böe daran, dass sie ebenfalls mitrudern möchte.

Dafür wissen wir bei uns natürlich auch, was wir haben: richtiges Wasser. Salzig, frisch und im Sommer durchaus zum Baden geeignet. Wer auf der Förde kentert, kann das mit etwas Haltung immer noch als spontane Badeeinlage verkaufen.

Entsprechend ungewohnt war unser Ausflug zum Preetzer Ruderclub: Süßwasser. Und vor allem erstaunlich glattes Süßwasser.

Der Lanker See präsentierte sich so ruhig, dass man als Kieler kurz misstrauisch werden konnte. Kein Kabbelwasser, keine Welle von schräg vorne, kein Wind, der gerade dann auffrischt, wenn man ihn nicht gebrauchen kann. Stattdessen spiegelglatte Bedingungen, Grün rundherum und damit eigentlich beste Voraussetzungen, um sich einmal in Ruhe mit dem Skiff zu beschäftigen.

Eigentlich.

Denn ein schmales Boot bleibt bekanntlich auch dann schmal, wenn das Wasser darunter ganz friedlich aussieht.

Schon nach den ersten Schlägen zeigte sich, was diesen Ausflug am Ende besonders gemacht hat: Es ging nicht darum, möglichst schnell irgendwo anzukommen. Es ging darum, gemeinsam etwas zu lernen.

Der eine hatte hier einen Tipp zur Blattführung, der nächste dort eine Idee zur Balance. Man beobachtete einander, probierte aus, korrigierte und stellte fest, dass manches, was vom Ufer oder aus einem breiteren Boot ganz selbstverständlich aussieht, im Skiff plötzlich wieder erstaunlich viel Konzentration verlangt.

Und genau darin lag der Reiz.

Niemand musste irgendjemandem etwas beweisen. Man konnte ausprobieren, Fehler machen, noch einmal ansetzen und sich gegenseitig helfen. So wurde aus einzelnen Booten ziemlich schnell eine gemeinsame Mannschaft – auch wenn jeder zunächst einmal selbst dafür verantwortlich war, dass sein eigenes Boot die richtige Seite oben behielt.

Damit wären wir bei der zweiten großen Aufgabe des Tages: trocken bleiben.

Bei der ersten Pause fiel eher beiläufig die Bemerkung, dass bislang noch niemand ins Wasser gefallen sei. Gut. Kann man feststellen.

Bei der zweiten Pause wurde diese Information schon mit merklich mehr Stolz weitergegeben.

Noch immer keiner drin.

Damit war das Thema gesetzt.

Zumal ausgerechnet zu dieser Zeit die Blaualgen wieder zuverlässig ihren Weg in die Nachrichten gefunden hatten. Warnungen, Badestellen, Seen, Wasserqualität – das Thema wurde medial durchaus mit einer gewissen Begeisterung begleitet.

Da lernt man das eigene Revier gleich noch einmal ganz anders zu schätzen.

Die Ostsee mag Wellen haben. Sie mag kalt sein. Sie kann einem bei Westwind ordentlich ins Gesicht springen. Aber zum Baden? Herrlich. Frisches Salzwasser, ein bisschen Fördeblick – da weiß man wenigstens, wofür man friert.

Beim Lanker See hingegen entstand im Laufe des Tages zunehmend der Eindruck: sehr schönes Gewässer. Hervorragend zum Rudern. Muss man deshalb aber noch lange nicht probieren.

Ob unser Ruderwasser überhaupt etwas mit irgendwelchen aktuellen Blaualgenmeldungen zu tun hatte, spielte für die Stimmung an Bord irgendwann keine entscheidende Rolle mehr. Die Vorstellung genügte.

Und plötzlich bekam auch das gemeinsame Lernen noch eine zusätzliche Motivation.

Ein Blatt kurz hängen geblieben? Ruhe bewahren.

Das Boot neigt sich etwas weiter als geplant? Gegenhalten.

Der Sitz fühlt sich für einen kurzen Moment nicht mehr ganz mittig an? Jetzt bloß keine voreiligen Bewegungen.

Aus „Wir üben heute Skiff“ war unbemerkt auch „Wir bringen heute alle wieder trocken zurück“ geworden.

Und genau da zeigte sich wieder der Mannschaftsgedanke. Es wurde nicht nur auf das eigene Boot geschaut. Man blieb zusammen, tauschte sich aus, wartete aufeinander, gab Tipps und freute sich mit, wenn etwas bei jemandem plötzlich besser funktionierte.

Das Schöne am Rudern ist eben, dass gemeinsames Lernen nicht zwingend bedeutet, im selben Boot zu sitzen.

Mit jedem Kilometer wurde die Bewegung sicherer, das Vertrauen ins Boot größer und der Umgang mit kleinen Wacklern entspannter. Was am Anfang noch volle Konzentration verlangte, lief später schon deutlich selbstverständlicher.

Und damit wurde aus dem Ausflug tatsächlich das, was später auch in unserer internen App treffend dazu geschrieben wurde:

„Eine Runde Sache.“

Das passt ziemlich gut.

Nicht nur, weil wir eine schöne Runde auf dem Wasser gedreht haben. Sondern weil an diesem Tag vieles zusammenkam: ein neues Revier, gute Bedingungen, gemeinsames Lernen, gegenseitige Unterstützung und genau die richtige Portion norddeutscher Ehrgeiz.

Man muss schließlich nicht laut feiern, wenn etwas gut läuft.

Ein trockenes Nicken reicht.

Zumal wir zu diesem Zeitpunkt noch ein wichtiges Ziel vor uns hatten: die vollständige Mannschaft wieder an Land zu bekommen, ohne dass kurz vor Schluss doch noch jemand beschließt, die lokale Wasserqualität persönlich zu überprüfen.

Und tatsächlich: Am Ende kamen alle wieder dort an, wo sie gestartet waren.

Im Boot.

Kein Kentern, kein unfreiwilliger Badegang und keine persönliche Feldstudie zur Verträglichkeit holsteinischer Binnengewässer.

Was bleibt also vom Ausflug nach Preetz?

Die Erkenntnis, dass glattes Wasser ein schmales Boot nicht automatisch breiter macht. Dass man gemeinsam erstaunlich viel lernen kann, auch wenn jeder sein eigenes Boot fährt. Und dass ein gutes Ruderrevier nicht zwingend Salz enthalten muss.

Vor allem aber war es ein Tag, an dem man gemerkt hat, wie viel Spaß es macht, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren und dabei voneinander zu lernen.

Vielen Dank an alle, die es neben Sabine und Ingmar tatkräftig mitgeholfen haben und den Tag zu einem tollen Ausflug gemacht haben.

Gerne wieder.

Ole Schütt

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