Quer durch Berlin 2026

20. Oktober 2026 | Von | Kategorie: Aktuell

Es folgt der Bericht Jacob Heeschen:

Am 10.10.2026 fiel der Startschuss zur 97. Langstrecken-Regatta „Quer durch Berlin“ – die ihrem Namen in diesem Jahr allerdings nur bedingt Ehre machte und uns stattdessen durch den schönen Nordwesten der Hauptstadt führte. Bauarbeiten sei Dank ging es über den Tegeler See, durch die Scharfenberger Enge und einmal malerisch um Valentinswerder herum bis in den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal mit Ziel am Leistungszentrum. Zwischen rund 750 Ruderinnen und Ruderern in 125 Booten mischten auch vier mit EKRC-Beteiligung kräftig mit.

Für mich persönlich war es die allererste Langstrecken-Regatta überhaupt. Ich hatte die Ehre, gemeinsam mit Jörg Krenz (Schlag), Thomas Blicke (Co-Schlag), Matthias Böhm, Werner Lehmann, Fritz Kerchnawe, Alfred Eberhardt und Stefan Petschallies in der „V8“ anzutreten, souverän gesteuert von Claus R. Mein Puls war vorab bereits erhöht: Vor Beginn des Trainings hatte ich vielleicht maximal zehnmal einen Riemen in der Hand gehabt. Aber frei nach dem Motto no risk, no fun sagte ich zu. Die Vorbereitung war entsprechend intensiv, trug aber Früchte – allen voran dank des von Hauke begleiteten Trainings (an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für deine Zeit!).

Die Reise begann bereits am Vortag: Matthias nahm mich netterweise im Auto mit, und unsere Boote fanden freundlicherweise beim RC Tegel Unterschlupf. Am Freitagabend trafen wir uns dann mit den Ruderinnen der „Union“, um beim gemeinsamen Abendessen gewissenhaft Kohlenhydrate für den Ernstfall zu bunkern. Genächtigt wurde im rustikalen Ambiente des a&o Hostels am Berliner Hauptbahnhof. Schon beim Betreten der Lobby wurden wir von einer Truppe junger Menschen empfangen, die lautstark Karaoke schmetterte – zu Recht kritisch beäugt von einigen EKRC-Mitgliedern. Mein persönliches Highlight der Unterkunft: ein Achtbettzimmer samt einer einzigen Toilette, das ich mir mit sieben Männern – darunter auch unserem Vorsitzenden – teilen durfte. Es kamen direkt nostalgische Internatsgefühle auf. Erstaunlicherweise blieben beide Nächte aber von Schnarchkonzerten oder sonstigen Störgeräuschen verschont, und auch das reichhaltige Frühstück ließ keinen Raum für Beschwerden.

Der Regattatag selbst startete zunächst mit kleineren logistischen Hindernissen. Sowohl die „Union“ als auch unsere „V8“ parkten ganz hinten am Clubhaus des RC Tegel und mussten erst einmal quer über das Gelände zum Steg manövriert werden. Zu allem Überfluss verabschiedete sich kurz vor knapp die Sicherheitsschnur an meinem Stemmbrett. Da weit und breit kein Feuerzeug zum Verschweißen aufzutreiben war – der rückläufige Zigarettenkonsum hat eben doch seine Schattenseiten –, mussten Sabine, Alfred und Matthias ganzes Improvisationstalent beweisen, um das Problem noch rechtzeitig vor der Inspektion zu lösen. Der anschließende Bootstransport zum Wasser wurde von lautstarken Kommentaren aus der Mannschaft untermalt – zweifellos eine rein taktische Maßnahme, um überschüssige negative Energie kontrolliert zu entladen und sich danach vollends auf die Kommandos des Steuermanns konzentrieren zu können. Das Wetter zeigte sich anfangs eher unkooperativ, woraus wir als Nordlichter angesichts der uns bestens vertrauten Schietwetter-Bedingungen aber sofort einen Heimvorteil ableiteten.

Mit zwanzigminütiger Verspätung ging es schließlich auf die Strecke. Die erste Hälfte lief hervorragend, beherzt und euphorisch vorangetrieben von Claus R., dessen Optimismus selbst das Berliner Grau aufhellte. Nach einigen Kilometern forderte die Distanz jedoch ihren Tribut, sodass wir uns am Ende mit dem zweiten Platz begnügen mussten. Zur Ehrenrettung unserer Crew sei allerdings erwähnt, dass uns im Ziel lediglich 50 Sekunden auf die Sieger fehlten – und deren Mannschaft mehrheitlich erst nach der Jahrtausendwende das Licht der Welt erblickt hatte. Meine wichtigste technische Erkenntnis des Tages: Die Konzentration ist durchgehend darauf zu richten, Kraft aus den Beinen und nicht den Armen zu ziehen. Meine Oberarme stimmen dieser Erkenntnis im Nachhinein ausdrücklich zu.

Abgerundet wurde der Tag mit einem gemeinsamen Essen. Ich konnte noch etwas Networking mit den Mitgliedern des ARV betreiben. Die Nachbarn hatten gleich zwei Siege eingefahren und ganz standesgemäß in der Ost-Berliner Sternwarte Quartier bezogen. Da aber selbst die siegreichen ARV-Rudererinnen und -Ruderer nach einer Führung durch die Sternwarte völlig platt waren, wurde der geplante Besuch des Berghains einvernehmlich vertagt. Am Sonntag traten die meisten dann schon früh die Heimreise an. Ein riesiges Dankeschön geht hier besonders an Fritz, Sabine und Werner, die den Bootstransport zwischen den beiden Hauptstädten gestemmt haben. Ich nutzte noch die Chance und verbrachte den restlichen Sonntag in Berlin, bevor mich am Abend der Direktzug aus Budapest zurück nach Kiel brachte. Rückblickend war das Wochenende ein rundum gelungenes Erlebnis – und allein die gemeinsame Zeit sowie die Gelegenheit, sich abseits des heimischen Stegs besser kennenzulernen, waren den Ausflug mehr als wert.

Es folgt der Bericht von Frauke Schönborn:

Quer durch Berlin-EKRC Masters-Frauen im Gig-Doppelachter
Nachdem Ingmar uns im April erfolgreich auf die Langstrecken-Regatta in Bergedorf vorbereitet
hatte, wollten wir auch bei Quer durch Berlin im Gig-Doppelachter an den Start gehen. Auf einigen
Positionen mussten wir umbesetzen. Trainiert wurde dienstags und donnerstags beim
Ambitionierten Breitensport. Zwei Wochen vor der Regatta bot Hauke noch einen Trainingstag für
die beiden Gig-Achter an, der uns noch mal viel Input gab. Sonst übernahm Bärbel am Steuer auch
mal das Kommando. In der letzten Trainingseinheit schafften wir es dann auch einmal, in
Originalbesetzung zu trainieren. Das waren Ulrike Zumegen, Anne Reimer, Regina Klein, Inga
Chirstiansen, Irene Lehmann, Sonja Nitzpan, Sabine Gödtel, Frauke Schönborn und Steuerfrau Ava
Benckert.
Leider musste die eigentliche Strecke in Berlin auf der Spree aufgrund von Bauarbeiten verschoben
werden. Dieses Mal sollten die 7 km über den Tegeler See in den Berlin-Spandauer
Schifffahrtskanal bis zum Bundesstützpunktes Rudern führen. Dank guter Kontakte hatte Bernd mit
dem Ruderclub Tegel ausgemacht, dass wir unsere Boote auf deren Gelände lagern durften und
somit auch den minutiös geplanten Ablegeplan am Steg des Sattelplatzes umgehen konnten.
Am Freitag ging es dann bei Kälte, Regen und viel Wind nach Berlin. Am Abend trafen wir uns
noch mit dem Männer-Gig-Achter in netter Runde beim Italiener um die Ecke.
Der nächste Tag versprach besseres Wetter: Kaum Regen, etwas Wind, sogar auch Sonne und
wärmere Temperaturen bis 15 Grad. Da das Einsetzen und Herausnehmen der Boote an
unterschiedlichen Orten stattfanden, bedurfte es einer guten Planung, wie wir alle zum Start
kommen sollten und das Umparken der Autos inclusive des Bootsanhängers und Packen der
Sachen, damit man nach dem Rennen auch noch trockene Sachen vorfinden konnte. Einen großen
Dank an Sonja und Fritz, die hierfür ein paar Male hin- und hergefahren sind.
Am RC Tegel warteten wir, bis die Regatta endlich startete. Zuerst ging der Männer Masters-Achter
der Altersklasse F mit Arne Kassbaum, Bernd Klose, Claus Höppner, Rolf Zumegen, Thomas
Henning und Steuermann Jörk Schüßler verstärkt durch 3 Ruderer vom RC am Baldeneysee Essen
auf das Wasser. Diese fuhren ihr Rennen souverän und holten sich den Sieg.
Wir Frauen sollten direkt vor dem Männer-Gig-Achter starten. Als die Männer die V8 zum Steg
bringen wollten, scheiterten sie fast an der Bootshausecke und dem Zaun. Wir Frauen packten mit
an, zusammen hoben wir das schwere Boot auf die Schultern, zirkelten uns um Ecken und schafften
es schließlich zum Steg. Der war allerdings nur für Vierer ausgelegt, so dass Claus vorschlug, das
Boot mit dem Wind zum benachbarten langen Steg treiben zu lassen. Das klappte gut und so wurde
auch die Union gemeinsam zu Wasser gelassen und mit dem Wind zum längeren Steg getrieben.
Kaum abgelegt, setzte ein kurzer Schauer ein, danach ließ uns der Regen aber in Ruhe.
Nur hatte der Wind den Zeitplan der Starts durcheinandergebracht. Der Stegplan wurde eingehalten,
aber alle Boote sammelten sich vor dem Start, warteten oder fuhren im Dreieck. Es wurden immer
mehr. Ava manövrierte uns souverän durch das Getümmel.
Endlich ging es dann los. Wir hatten drei gegnerische Boote, zwei waren in jüngeren Altersklassen
gemeldet und starteten zuerst, unser direkter Gegner der Altersklasse E startete direkt vor uns. Erst
ging es mit Gegenwind über den Tegeler See. Der Männer-Achter folgte uns und hatte uns
irgendwann eingeholt. Wir hielten noch etwas dagegen, mussten sie aber vorbeiziehen lassen. Der
See wurde schmaler, der Wind weniger, die Beine und Arme schwerer. Irgendwann holten wir ein
gegnerisches Boot der jüngeren Altersklasse ein. Das motivierte. Am Kanal war der Wind dann
weniger, aber die Strecke zog sich noch. Markierungen über Streckenlängen fehlten leider. Unter
stetiger Motivation von Ava kamen wir schließlich ins Ziel und hörten die ersehnte Zielglocke. Am
Ende war nur unser direkter Altersklassengegner vor uns. Die beiden jüngeren Mannschaften hatten
wir hinter uns gelassen.
Beim Herausnehmen der Boote bildete sich wieder ein langer Stau. Zum Glück bekamen wir
Tragehilfe. Schnell wurden die Boote gemeinsam abgeriggert und verladen.
Später kamen noch die Senioren A im Mixed-Gig-Vierer in der Besetzung Theresa Bury, Viktoria
Dibbern, Helle Broockmann, Erik Dibbern und Steuerfrau Celina Grunwald ins Ziel. Diese
erruderten sich einen deutlichen Sieg in einem starken 9-Boote-Feld.
Gemeinsam feierten wir danach die Erfolge der beiden ersten und zweiten Platze bei der
Siegerehrung am Bundesstützpunkt.
Am Abend hatten wir uns noch mit dem Rest des Männer-Gig-Achters in einem Restaurant in der
Stadt verabredet. Da die Fahrt mit dem Fahrrad schneller ging als mit dem ÖPNV, radelten wir
unter Avas souveräner Führung mit Leihrädern durch die Stadt, auch ein Erlebnis. Ein paar
Beleuchtungen vom Festival of Lights bekamen wir zu sehen. Das Essen im Restaurant zog sich
ordentlich in die Länge, so dass wir nur noch eine Restbeleuchtung kurz sehen konnten, bevor um
Punkt 23 Uhr Schluss war. Dafür änderten wir kurzerhand die Route und radelten durch das
Brandenburger Tor, am Bundestag und an der Spree entlang zurück zum Hostel. So sind wir in
diesem Jahr nicht nur quer durch Berlin gerudert, sondern auch noch geradelt.

Es folgt der Bericht von Rolf Zumegen:

97. Langstreckenregatta „Quer durch Berlin“
-Diesmal etwas anders

Am 10. Oktober fand in Berlin die traditionelle Langstreckenregatta „Quer durch Berlin“ statt. Aber dieses Mal war nichts mit „quer durch“, da auf Grund von Baustellen die ursprüngliche Strecke mit Start an der Charlottenburger Schleuse und Ziel an der schwangeren Auster nicht befahren werden durfte.
Also hat der LRV Berlin umgeplant und die Strecke auf den Tegeler See und den Spandauer Schifffahrtskanal verlegt, nach wie vor 7.000 m lang, gefühlt aber mindestens 8.000 m in Gänze.

Wir vom EKRC haben eine gewisse VIP Behandlung erfahren dürfen, indem wir uns nicht auf den provisorisch eingerichteten Sattelplatz begeben mussten, sondern auch wegen freundschaftlicher Verbundenheit mit dem RC Tegel deren Vereinsgelände nutzen durften.
Leider war dieses Jahr die Organisation des LRV etwas am Kränkeln, was am Start zu enormen Wartezeiten führte und das Ziel nicht eindeutig erkennbar war. Da ist noch Luft nach oben.

Drei Achter und ein Vierer des EKRC bildeten die Abordnung unseres Clubs.
Über die Erfahrungen und Begebenheiten der beiden Gig-Achter sind gesonderte Berichte aus den Mannschaften hier veröffentlicht.

Als Vierermannschaft haben Erik und Victoria Dibbern, Helle Broockmann und Theresa Bury, gecoacht von Celina Grunwald im Mixed-Gig-Vierer in der offenen Klasse einen souveränen Sieg eingefahren.

Unser Masters-Achter bestand dieses Mal nur aus einer fünfköpfigen Rumpftruppe, weshalb uns unsere gut bekannten Freunde vom Ruderklub am Baldeneysee tatkräftig unterstützt haben.
Somit waren wir mit Thomas Henning, Rolf Zumegen, Claus Höppner, Bernd Klose, Arne Kassbaum und den Essenern Karl-Heinz Kroll, Jürgen Böning und Peter Liedgens im G-Achter gemeldet. Mit Jörk „Chimpy“ Schüssler hatten wir ja auch den besten aller Steuerleute an Bord, zumal er als Tegeler Clubmitglied einen Heimvorteil mit brachte.
In Ermangelung von Gegnern mussten wir als G-Achter in der jüngeren AK, nämlich F starten und das zusammen mit zwei E-Achtern.
Den einzigen F-Achter haben wir nur kurz an Start gesehen, danach nur noch später im Ziel, da sie etwa 4 Minuten nach uns eingetrudelt sind. Einen der vor uns gestarteten E-Achter haben wir kurz vor der Einfahrt in den Kanal überholt. Im Ergebnis sind wir als Sieger mit der schnellsten Zeit aller gestarteten Masters-Achter in diesem Rennen hervorgegangen.

Leider mussten nach dem Ausheben der Boote aus dem Wasser enorme Wege zum Hänger zurück gelegt werden, was insbesondere mit den Gig-Achtern eine schwere Aufgabe war.

Nächstes Jahr wird offensichtlich wieder auf der alternativen Strecke gerudert. Hoffen wir mal, dass die Organisation dann besser funktioniert.
Text: Rolf Zumegen

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