Auch dieses Jahr nehmen wir mit unserem Riemen-Gig-Achter an der Langstrecke Quer durch Berlin teil. Immer ein schönes Ereignis für mich, da ich in West-Berlin aufgewachsen bin und dort auch mit dem Rudern angefangen habe.
Unsere Teilnahme war bis kurz vorher recht ungewiss, da wir zwar rechtzeitig gemeldet hatten und alle gesund und fit waren, aber im Meldeergebnis keine Gegner hatten. Wir diskutierten schon, auf den Doppelachter umzumelden. Es stellte sich aber raus, dass der Ruderklub am Wannsee auch einen Achter gemeldet hatte, aber die Meldung irgendwie nicht erfasst wurde. Der RaW hat das dann mit dem Veranstalter geklärt und uns informiert. Also konnten Ingmar Schulz, Matthias Böhm, Thomas Blicke, Frank Kleinfeld, Alfred Eberhardt, Stephan Petschallies, Thorsten Hiebner und ich (Jörg Krenz) gesteuert von Claus Riecken starten.
Die Regatta fing, wie immer, in Kiel an. Mit dem Verladen am Donnerstagabend. Überraschend mussten wir noch zwei Gig-Vierer von der Uni mit aufladen, da der Uni-Hänger nicht durch den TÜV gekommen ist. Soweit so gut, aber irgendwie hatten wir jetzt recht viele Boote zu verladen; drei Achter, und 3 Gig-Vierer. Da wir es nicht geschafft haben alle Boote auf den Hänger zu legen, wurde ein Achter-Heck mit Gurten unter den untersten Querträger gehängt. Man lernt nie aus, den Trick kannte ich noch nicht.
Ich bin schon Freitag früh mit dem Zug nach Berlin, da für mich Quer durch Berlin auch immer Familienbesuch bedeutet. Den Bus mit dem Bootshänger treffe ich gegen fünf am Nachmittag im Schleusenpark an der Schleuse Charlottenburg, wo die Boote immer irgendwie im Grün abgelegt werden. Alfred ist auch da und noch viele aus den anderen EKRC Booten, so dass wir vor Einbruch der Dunkelheit noch alle Boote abgeladen haben und auch teilweise schon aufgeriggert. Abends treffen wir uns mit unserer gesamten Mannschaft noch zum Essen. Die Stimmung ist ausgelassen und voller Vorfreude.
Samstag, Regattatag: Wir treffen uns gegen elf bei unseren Booten. Das Boot ist schnell zu Ende aufgeriggert. Die Zeiten für „Riemen am Steg“, „Boot am Steg“, Ablegen und Start sind bekannt. Wie immer in Berlin verzögert sich alles, so dass die Zeit, die zum Warmfahren gedacht ist wieder auf nur wenige Minuten zusammengeschrumpft ist. In unserem Zweier-Feld starten wir zuerst und der RaW dann eine Minute nach uns. Los geht’s. Ingmar auf Schlag gibt uns 31 vor. Wir finden nicht gleich den Rhythmus, aber nach den 500 bis 1000 Metern wird es bei gleichbleibend hoher Schlagzahl besser. Wir sehen, dass der RaW auch startet. Es scheint so, dass das RaW Boot mit der Zeit zurückfällt. Gleichzeitig fahren wir zum Doppelachter vor uns auf. Die Spree schlängelt sich am Schloss Charlottenburg und dem Tiergarten entlang in Richtung Ziel. Wir sehen das Boot hinter uns nur selten. Claus spornt uns an, das Boot vor uns zu überholen Wir sind zwar im Kielwasser, kommen aber nicht vorbei. Irgendwann kommt auch das Boot hinter uns wieder näher. Das spornt nochmal an. Wir fahren das gesamte Rennen mit konstanter Schlagzahl mit gefühlt konstanter Geschwindigkeit. Die Kraft lässt nach, aber wir halten das Tempo bis Claus uns das Ziel ankündigt. Auch im Endspurt bleiben wir hinter dem Boot vor uns. Hat es gereicht? Das Boot hinter uns kam immer näher ran. Als wir hinter dem Ziel liegen und wieder zu Atem kommen sehen wir, dass das Boot hinter uns gar nicht der RaW im Achter ist, sondern schon ein Boot der Klasse nach unserem Rennen. Bis der RaW da ist, dauert es doch länger als die eine Minute, die sie hinter uns gestartet sind. Durch den Achter vor uns gezogen und durch das aufholende Boot geschoben haben wir unser Rennen wohl gewonnen.
Wir sind noch eine ganze Weile auf dem Wasser, da die provisorischen Steganlagen bei Quer durch Berlin gerade zwei Achter gleichzeitig anlegen lassen. Das dauert. Es ist schönes Wetter, so dass sich die Wartezeit nicht zu lang anfühlt. Irgendwann sind wir dran. Meine Ruderkameraden versuchen (wenn auch unabsichtlich) mich noch beim Boot raus nehmen in die Spree zu schubsen. Der Behelfssteg ist wirklich recht schmal. Aber wir bleiben dann doch alle trocken.
Weiter geht es mit einem Bier!!! Dann abriggern. Teile zum Hänger bringen, schon mal verladen was geht. Die Location im Zielbereich direkt an der „Schwangeren Auster“ ist echt schön und das Wetter spielt mit. Manche von uns fahren noch zum Duschen ins Hostel, da es heute noch nach Kiel zurück geht. Die anderen schauen die Zielankünfte der anderen EKRC Boote, helfen beim Ausheben und Tragen, schnacken, genießen die Stimmung. Zu Siegerehrung sind wir alle wieder da und ausgelassen.
Tatsächlich sind wir heute das einzige EKRC Vereinsmannschaftsboot was siegreich war.
Außer uns waren im Renn-Achter Klaus Carow, Georg Moll, Arne Kassbaum, Bernd Klose, Matthias Borchardt, Claus Höppner, Rolf Zumegen und Thomas Henning gesteuert von Jörk Schüßler und im zweiten Achter Mona Flathmann, Lea Rauße, Jule Tannert, Johanna Grunwald, Meike Nienaber, Anna Louisa Kollster, Kristin Kleta und Leslie Matthiesen gesteuert von Felix Eckel und im Vierer Bärbel Stein, Claudia Witte, Inga Christiansen und Irene Lehmann gesteuert von Ava Benckert dabei.
Die Organisation, das Wetter und die Stimmung waren gut und es war ein guter Tag. Nur getrübt durch ein technisches Problem an Bernds Boot.
Nach der Siegerehrung verabschiede ich mich am Ende eines anstrengenden aber schönen Regattatages von unserem Team und beginne den rein familiären Teil des Wochenendes und danke allen, dass ich das Abladen und Aufriggern in Kiel „schwänzen“ durfte.
Jörg Krenz (Text), Thorsten Hiebner (Fotos)


FSJ im EKRC