Wanderfahrt auf dem Neckar

2. Juni 2016 | Von | Kategorie: Freizeitsport

Vom 21. – bis zum 28.Mai fand die Wanderfahrt auf dem Neckar statt.

Mit dabei waren Michael Böhmer(der Organisator), Alexander Claviez, Angela Weidling, Bernd Raabe, Christiane Zamponi, Christina Dunsing, Helga Puschendorff, Pau (Jens Paustain), Sabine Gödtel, Uwe Johannsen und ich (Ulrike Zumegen).

Für Angela und mich war es die erste Wanderfahrt und so wurde ich auch sofort als „Freiwillige“ für den Bericht bestimmt.

Nachdem wir bereits am Freitag verladen hatten, machte sich der erste Teil der Gruppe am frühen Samstagmorgen mit Club Bus und Hänger auf den weiten Weg nach Stuttgart. Der zweite Teil der Gruppe folgte gegen Mittag im Tiefflug mit Uwe. Dank des großen zeitlichen Vorsprungs waren wir Clubbusreisende trotz aller Bemühungen von Uwe vor dem Mercedes am Zielort.

In Stuttgart Bad Cannstatt steuerten wir direkt den Ruderverein an, standen mit unserem Hänger mitten auf einem vielbefahrenen Wander-/Radweg und mussten erkennen, dass einige Passanten „not amused“ waren. Mit vereinten Kräften haben wir dann aber so schnell wie möglich Platz gemacht und dann war alles wieder gut.

Dann ging es zum Quartier. Wir wohnten in Bad Cannstatt im Hotel Spahr, allerdings war der Name bezüglich Verbrauch von Hölzern und Bereitstellung verschiedenster Zierrate auf keinen Fall Programm. Mir war bis dahin gar nicht bewusst, dass man in einem Raum so viel Holz verbauen kann, aber das geht… Den Abend haben wir dann ganz entspannt bei schönstem Wetter im Biergarten ausklingen lassen.

Nach einer erholsamen Nacht wurde dann am nächsten Tag ein Freiwilliger für den Landdienst gesucht und getreu dem Motto „je eher daran desto eher davon“ trat ich den ersten Landdienst meines Lebens an. Das Navi leitete mich dann auch brav in Richtung Marbach an einem T-Stück am Neckar wurde mir allerdings beschieden: Sie haben ich Ziel erreicht. Nach ein bisschen Sucherei fand ich dann aber trotzdem den Ruderclub. Er versteckte sich schüchtern hinter dem angeschlossenen Biergarten. Im Marbacher Ruderclub wurde ich supernett aufgenommen und mit angeregten Gesprächen mit den vom Wasser zurückkehrenden Ruderern und Ruderinnen im Biergarten verging die Zeit bis zur Ankunft unserer beiden Doppelvierer wie im Flug.

In Marbach (der Schillerstadt) bezogen wir Quartier im Hotel Schillerhof mitten in der Altstadt. Im angeschlossenen Restaurant genossen wir die heimische Küche und Uwe entdeckte seine Vorliebe für Eierlikör. Heftig wurde darüber debattiert wie Alex, dessen Aufgabe es war bei allen Schleusen anzurufen und uns anzukündigen, nun heißen sollte. Schließlich einigte man sich auf „SCHLEUSENKOMMODORE“ mit der festen Absicht sich in den folgenden Tagen noch zu steigern. Natürlich haben wir uns noch die Zeit genommen durch die wunderschöne Altstadt von Marbach zu gehen.

Am nächsten Tag machten wir uns auf die 30 km lange Strecke von Marbach nach Lauffen. Die Strecke mit rechts und links Weinbergen und Felsen war wunderschön. Es gab drei Schleusen zu bewältigen und unser Schleusenkommodore zeigte seine Qualitäten als Umtrageverhinderer. An diesem Tag öffnete der Himmel für uns seine Schleusen und ich entdeckte eine völlig neue Ruderregenkleidung. Eigentlich wollte ich mit dem hübschen roten 1Euro-Regencape nur vor der Schleuse dem Regen trotzen, aber es ließ sich auch leidlich damit rudern und so kam es dazu, dass ich mehrere Tage lang mit dem guten Stück unterwegs war. Sobald ich es ausziehen wollte sagte irgendwer: „ne, lass mal lieber an, sonst regnet es wieder“ und was soll ich sagen: „es hat geholfen“.

Quartier bezogen wir in der „Alte Kelter Lauffen“. Besonders beeindruckend war der große Gewölbekeller in dem wir am Folgetag das Frühstücksbuffet genossen. Es wurde auch ein neuer Spitzname kreiert. Sabine hieß von diesem Tag an „Mandelhörnchen“, weil sie superleckere Mandelhörnchen gebacken hatte, die wir alle gemeinsam verputzen durften.

Der dritte Rudertag führte uns von Lauffen nach Bad Wimpfen. Es galt ca. 25 km und 4 Schleusen zu bewältigen. An diesem Tag hatten wir ein Frauen – und ein Männerboot. Da wir an diesem Tag Heilbronn passierten war die Ruderstrecke nicht so schön, aber der Anblick von Bad Wimpfen hat uns reichlich entschädigt. Auch in Bad Wimpfen hatten wir ein schönes Hotel direkt in der Altstadt, hoch über dem Neckar gelegen. Fast alle nutzten die Zeit vor dem gemeinsamen Abendessen und machten einen Altstadtrundgang, der sich wirklich lohnte. Den „Blauen Turm“ von Bad Wimpfen konnten wir am nächsten Tag noch lange nachdem wir losgerudert waren hoch über den Neckarschleifen liegen sehen.

Am darauffolgenden Rudertag galt es die Strecke von Bad Wimpfen nach Moosbach Neckar-Elz zu bewältigen. Inzwischen hatte sich das Wetter beruhigt und es war zwar nicht gerade sonnig, dafür aber trocken und mild. Ein besonderes Highlight war die nächtliche Lagerung der Boote. Wir legten am Anleger des nahe gelegenen Campingplatzes an und legten die Boote zunächst mal in der Nähe des Anlegers auf die Wiese. Nachdem der Campingplatzwart seine gut bemessene Mittagspause beendet hatte, beschied er uns, dass wir die Boote dort nicht liegen lassen könnten, weil der Platz völlig ausgebucht wäre (am Folgetag war Fonleichnam und viele nutzten das lange Wochenende). Wir durften die Boote schließlich neben dem leeren mit einem relativ hohen Zaun umgrenzten Swimmingpool ablegen. Das war ein ziemlicher Kraftakt, ging aber mit vereinten Kräften gut über die Bühne. Die Frau des Platzwartes, die von ihm den Auftrag hatte uns das Tor aufzuschließen, war so perplex, dass sie nochmal nachfragte, ob das wirklich wahr wäre, oder ob ihr Mann da etwas falsch verstanden hätte. Sie blieb auch die ganze Zeit bei uns und schaute mit großen Augen zu.

Quartier bezogen wir in der Destille Eisenbahn in Moosbach Neckar-Elz. Leider ist die Destille seit Kurzem außer Betrieb, so dass wir uns auf das Übernachten und das gute Frühstück beschränken mussten. Ein kleines Andenken in Form von Hochprozentigem konnte aber dennoch im hauseigenen Laden erworben werden. Gegessen wurden an diesem Abend griechisch-italienisch und das bei schönstem Sonnenschein.

Der fünfte Rudertag brachte uns dann nach Eberbach. Geplant war eigentlich eine Rudertour ins ca. 10km weiter entfernte Hirschhorn, aber unser Landdienst Christiane, hatte sich die Sache vorher vor Ort angesehen und für ungeeignet befunden. So beendeten wir den Rudertag schon in Eberbach. Dort durften wir die Boote auf dem Gelände des Rudervereins lagern, dass direkt neben der Bootwerft Empacher liegt. Der Feiertag machte allerdings alle Hoffnungen zunichte einen Blick in die Werft werfen zu können.

Wegen der etwas weiteren Entfernung nach Hirschhorn musste die Gruppe in zwei Abteilungen nach Hirschhorn gebracht werden. Hier wartete aber in der Altstadt wieder ein richtig tolles Hotel auf uns. Hotel Krone entpuppte sich als ein echtes Highlight und auch beim Abendessen im Hotel ließ sich der Kellner niemals aus der Ruhe bringen und parierte jeden Spruch sympathisch und schlagfertig. Dass das Essen Spitze war versteht sich von selbst. Auch das Frühstück am nächsten Morgen war außerordentlich gut. Eigentlich haben wir unsere Zimmer nach einer Nacht nur ungern geräumt, aber das Hotel war – wen wundert es – ausgebucht.

Der sechste und letzte Rudertag führte uns von Eberbach nach Heidelberg. Da wir ja noch den Rest vom Vortag erledigen mussten waren es diesmal 34 km und vier Schleusen die zu erledigen waren. Dabei kamen wir nach ca. 10 km noch einmal durch Hirschhorn und konnten uns von der Wasserseite noch einmal ansehen, was wir am Abend zuvor zu Fuß erkundet hatten. Ein einziges Mal hat an diesem Tag unser Schleusenkommodore versagt. Einmal mussten wir die Boote selber mit einem Wägelchen über das Schleusengelände befördern. Wir hatten aber dennoch Glück, denn es war alles gut in Schuss und so konnte diese Aufgabe gut bewältigt werden. An diesem Tag ruderten wir, wie schon an den vorherigen Tagen durch sehr waldreiche, unglaublich schöne Gebiete und hatten bis auf wenige Ausnahmen fast das Gefühl ganz allein unterwegs zu sein.

Nachmittags erreichten wir dann bei schönstem Sonnenschein Heidelberg und legten bei der dortigen Rudergesellschaft an. Während Michael mit Verstärkung den Hänger holte, riggerten wir anderen schon einmal die Boote ab. Während dessen hat Pau seine Quetschkommode ausgepackt und unsere Tätigkeit mit Musik begleitet. Was für ein wunderbarer und stimmungsvoller Abschluss dieser schönen Tour.

Danach galt es noch einen kleinen Schock zu verkraften. Unser Hotel in Heidelberg hieß zwar auch Krone, war aber mit dem Namensvetter in Hirschhorn in keiner Weise zu vergleichen. Neben der wenig ansprechenden Optik galt es noch für einige den Schock zu verkraften über den Flur zur Toilette zu stolpern, die sich dann auch noch Männlein und Weiblein teilen mussten. Trotzdem haben wir gut geschlafen und pünktlich am nächsten Morgen um 8:59 Uhr (geplant war 9:00 Uhr Abmarsch) gut gelaunt die Heimreise angetreten. Uwe hat sich dann noch selbst übertroffen und ist geradezu über die Autobahn geflogen – schließlich spielte ja der THW. Wir anderen im Bus sind es gemütlich angegangen und sind nach knapp zehn Stunden Fahrt, mit ausreichenden Pausen wohlbehalten und Stau frei in Kiel angekommen.

Dass wir uns am Sonntag getroffen haben um die Boote und den Bus zu reinigen, versteht sich von selbst. Die kleine Nachschau im Anschluss daran haben uns Angela und Christina mit Quiche, Kuchen und einem Schluck Sekt verschönt.

Die Stimmung in der Gruppe war vom ersten bis zum letzten Tag super gut. Wir hatten viel Spaß miteinander und dass obwohl, oder vielleicht gerade weil, wir eine bunt gewürfelte Truppe bestehend aus sechs Frauen und fünf Männern waren und altersmäßig zwischen 36 und 86 Jahren alles dabei war.

Nach 156 Ruderkilometern, 19 Schleusen und 7 Hotels kann ich nur sagen: Vielen Dank Michael für die tolle Organisation. Es war eine wunderbare Rudertour und – du kannst es gern als Drohung auffassen- das war zwar meine erste, aber ganz bestimmt nicht meine letzte Wanderrudertour.

Ulrike

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